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Lernen aus Mangel oder Fülle? – Von Caro

Was willst du mal werden?

Mit dieser Frage, die mir im Äußeren und Inneren seit meinem Schulabschluss besonders oft begegnet, entwickelte sich in mir ein immer größer werdendes Gefühl des Mangels. Denn diese Frage impliziert, dass ich ja jetzt noch nichts bin und erst etwas werden muss. Dass ich jetzt noch nicht gut genug bin, dass ich jetzt noch nichts beitragen kann und dass ich jetzt noch nicht so viel wert bin.

Warum bin ich nicht jetzt einfach schon gut genug?

Dieser Druck etwas werden und leisten zu müssen, hat sich so tief in meine Seele eingebrannt, dass ich stetig denke, dass ich dies und das machen und lernen sollte und doch endlich ein gereiftes, klares Bild vor Augen haben sollte, wo denn mein Weg genau hingeht. Ach ja, und dieser sollte dann bitte auch möglichst geradlinig und zielstrebig sein!

Diese Gedanken lassen mein Tun ganz steif und eng werden und mich schnell in die Rolle der Unterlegenen und Unwissenden fallen, die ja noch ganz viel von anderen lernen müsse, um sich des Handelns zu befähigen. Daher jage ich Möglichkeiten hinterher, wo ich mir doch etwas zu lernen erhoffe.

Warum? Damit ich endlich auch bestimmte Charakteristika einer beruflichen Tätigkeit erfülle, um endlich sagen zu können, dass ich XY bin und mich somit endlich von dem quälenden Gedanken befreien kann, dass ich ja erst noch etwas werden muss.

Dieser Druck, der auf uns jungen Menschen bewusst oder unbewusst lastet, treibt uns oft dazu an, einfach irgendeinen Beruf zu erlernen, um den Mangel zu beheben. So werden wir nach der Schule in großen Wellen angeschwemmt an die Unis und Ausbildungsplätze, um etwas zu lernen, um Wissenslücken zu füllen und um zu funktionieren in einer Welt, in der es uns dann anSCHEINend an nichts mangeln wird.

Warum rebellierte ich so gegen dieses geschilderte Szenario?

Weil ich nicht mehr aus dem Grund des Mangels lernen möchte, welcher überzogen ist von einer Angst ansonsten nichts wert zu sein. Weil ich mich nicht in ein Bildungssystem schwemmen lassen möchte, dass mich am Ende meiner „Studienreise“ vor einem Meer sinnloser, fremdbestimmter und destruktiver Arbeitsplätze wieder auftauchen lässt.

Und weil eine kleine Stimme in mir ganz viel Vertrauen in mich hat und weiß, dass ich jetzt schon genug bin und alles von dem in mir trage, was ich für mich und mein Wirken in der Welt brauche. Außerdem hat diese Stimme auch Mut zur (Wissens-)Lücke und weiß, dass ich alles lernen kann, was ich möchte. Jederzeit, entweder von mir selbst, anderen Menschen oder dem Internet.

Lernen kann auch aus der Fülle heraus geschehen, wobei ich mehr und mehr die Faszination der Welt, die mich umgibt, entdecke und sie für mein Handeln greifbarer mache, um daraus etwas zu formen und um die Welt damit zu gestalten. Ich möchte stets in großer Ehrfurcht vor dem Leben eine Gewissheit hegen und zwar, dass ich weiß, dass ich nichts weiß von diesem Wunder namens Leben. Aber eine Sache weiß ich ganz sicher: Ich bin Leben inmitten von Leben, was leben möchte!

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