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Meine Geschichte – von Luka

Ich bin zu dem Zeitpunkt als ich diesen Artikel schreibe, 26 Jahre alt. Und dennoch fühle ich mich nicht wirklich so. Zumindest nicht nach der Norm, die bestimmt, wie ein 26-jähriger zu sein hat. Zwei Dinge zeichnen mich in meinem Leben aus:

Ich bin 6 Wochen zu früh geboren (nun ja, per Kaiserschnitt „auf die Welt gekommen“)

Und ich bin Asperger.

Letzteres habe ich, auch auf indirektem Druck meiner Eltern, „überwunden“, indem ich gelernt habe, mich mehr „normal“ zu verhalten. Aber schon allein dadurch setze ich mir und anderen eine Maske auf, bin ich nicht mehr ich selber. Zusätzlich konnte ich mich nie vollständig mit den Themen beschäftigen – und mich mit anderen darüber auseinandersetzen – die mich interessierten, vor allem nicht in der Schule, da dort entschieden wurde, was ich zu wissen hatte. Und aufgrund von gesellschaftlichen Normen und Vorstellungen, wie man als Junge zu sein hatte, konnte ich mich auch häufig nicht mit anderen Jungs austauschen, da die sich für ganz andere – „typisch Jungs“-Themen – interessierten. Daher zog ich häufig die Gesellschaft von Mädchen bzw. später Frauen vor.

Aufgrund meiner Frühgeburt bin ich kurzsichtig, schwerhörig und habe keine gute Feinfingermotorik (jedoch hat sich dies durch Übung im Laufe meines Lebens verbessert) und meine Mundmuskeln waren schwach. Aus diesem Grunde konnte ich nicht gestillt werden. Nun ist Stillen bekanntlich ein unglaublich wichtiger Prozess in der Entwicklung des Kindes. Neben der Nahrungsaufnahme stärkt es die Verbindung zur Mutter. Es fördert die Entwicklung des Kindes. Kein Ersatz – wie das Fläschchen oder der Schnuller – kann dies ersetzen!

Nun war es bei mir so, dass ich nicht nur nicht gestillt werden konnte, war ich auch noch Monate im Krankenhaus und wurde dort für ca. 6 Wochen in den Brutkasten gesteckt. Für ein Baby, das ja nicht begreifen kann, dass dies geschieht, um es am Leben zu erhalten, ist dies ganz klar eine Horrorsituation: es ist allein, es schreit nach jemandem, der es hält, stillt. Und schließlich schläft es voller Erschöpfung ein.

(Nebenbei gesagt, gibt es eine viel natürlichere Methode: die Känguru-Methode: dabei wird das Frühchen auf die nackte Brust gelegt, sodass sie engen Hautkontakt haben. Sie werden so gewärmt und gestillt.)

Obwohl ich – wie meine Mutter beteuerte – nach dem Krankenhausaufenthalt viel auf ihrer Brust lag, hatte ich in einer entscheidenden Phase meines Lebens etwas wichtiges verpasst, dass ich dadurch auszugleichen versuchte, indem ich Schnuller und Fläschchen benutzte, um mich geborgen zu fühlen. Ich brauchte diese Dinge einfach noch. Jedoch merkte ich bald, dass die Erwachsenen – hauptsächlich meine Eltern – (und damit: die Gesellschaft) entschieden, dass ich „zu alt“ dafür sei. Und, obwohl ich ganz genau wusste, dass ich es wollte, verbat ich mir manchmal selbst diese Dinge. Etwa, als ich bei einem Freund übernachtete, der immer noch das Fläschchen bekam und seine Mutter mich fragte, ob ich auch eines wollte – meine Antwort? „Nein danke, ich bin doch kein Baby mehr!“ Ich versteckte meine Bedürfnisse aus Angst, ich würde als „unnormal“ gelten!

Durch diese Fremdbestimmung kam es dazu, dass sich diese Sehnsucht nur noch verstärkte, je häufiger sie mir verwehrt wurde – bis zum häufigen Tag eigentlich. Nur weil ich „zu alt“ sei, um solche Sachen noch zu brauchen.

Später kam bei mir der Wunsch auf, einmal gestillt zu werden – vermutlich aufgrund meiner aufkommenden Pubertät. Dabei wurde festgestellt, dass das natürliche Abstillalter – d.h. wenn man Kindern selbst die Entscheidung überlässt, wann sie nicht mehr gestillt werden möchten – zwischen 3 und 7 Jahren! Nur verweigern wir unseren Kindern dies, weil sie einerseits „zu alt“ dafür seien, andererseits weil wir Brüste als reine Sexobjekte verstehen. Ist es nicht absurd, dass wir Brüste als sexy preisen – manchmal sogar auf Werbetafeln damit „teasen“, indem wir Frauen mit BHs zeigen – aber längeres und öffentliches Stillen als anstoßend empfunden wird?

Allein aufgrund meines Alters darf ich nicht zu diesen Dingen greifen, die mir Geborgenheit verschaffen.

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