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Der Adultismus in mir

Adultismus- ein Wort, das mir bis zu meinem 17. Lebensjahr noch nie begegnet ist. Falls es dir ähnlich geht, erkläre ich es gerne: Adultismus steht für die Diskriminierung von jungen Menschen aufgrund ihres Alters.

Diese Diskriminierung findet beispielsweise dadurch statt, dass ältere Menschen junge Menschen nicht ganz ernst nehmen und ihnen Kompetenzen nicht zutrauen oder sogar absprechen. Da mensch ja viel zu jung für gewisse Dinge sei, noch nicht die notwendigen Erfahrungen und Kompetenzen habe und die älteren Menschen es ja so und so besser wissen.

Seit ich mit dem Wissen über diese Art von Diskriminierung auf die Welt blicke, fällt mir auf, wie stark sich Adultismus in unserer Gesellschaft abbildet und jungen Menschen daher oft keine Stimme gegeben wird. Doch diese Unterdrückung der Gesellschaft entdecke ich nicht nur im Außen.

Ich entdeckte sie auch in mir!

Seitdem ich im Sommer diesen Jahres die Schule abgeschlossen habe, gehe ich meinen freien Bildungsweg. Dieser führt mich wieder zurück zum natürlichen Lernen, wobei Lernen mitten im Leben stattfindet und das „Studieren“ über das einfache (Aus-)Probieren geht. Wo in mir ein Projekt oder ein Ziel reift und ich dann einfach loslege und mit jedem Schritt noch mir unbekanntes Neuland betrete und Lernen hierbei einfach ein parallel ablaufender und natürlicher Prozess ist.

Doch über die ganze Schulzeit hinweg wurde ich von diesem natürlichen Prozess entfremdet. Diese Entfremdung trat durch die Aufspaltung von der Theorie und Praxis ein, sowie durch die Entfremdung von meiner ureigenen intrinsischen Motivation. Denn in der Schule lernte ich, dass ich vor dem ersten Handlungsschritt zunächst einmal alle theoretischen Grundlagen von einer Person vermittelt bekommen müsse, um handlungsfähig zu sein. Und jetzt stelle ich fest, dass genau diese, mir lange geltende Selbstverständlichkeit/ Doktrin mich dabei hemmt, selbstbestimmt zu lernen. Ergänzt wird sie von der Stimme des Adultismus in mir, welche mir vermittelt, dass ich ja noch viel zu jung sei, um XY zu tun und ich ja noch gar nicht die notwendige Expertise für XY habe. Beispielsweise glaubte ich mein ganzes Leben lang, das ich erstmals eine Menge Expertise bräuchte, um kleine Filme oder Videos zu drehen. Dies hielt mich stets davon ab. Bis ich vor kurzem einfach mein eigenes kleines Filmprojekt mit einer inspirierenden Frau durchführte und feststellte, dass ein einfaches Videoformat gar nicht sonderlich kompliziert ist und ich das leicht umsetzen kann. Die Stimme, die mich bisher davon abhielt, ähnelt stark der gesellschaftlichen Stimme, die nicht an das innewohnende Potenzial des Individuums glaubt und nicht vertraut, dass wir eigentlich alle viel mehr sind, als wir denken. Oft habe ich das Gefühl, das wir Angst habe vor unserer eigenen Größe und gewisse mentale Infrastrukturen uns klein machen.

Diese Stimme ist oft sehr laut und ist im Außen, wie im Innen präsent. Mit dem Bewusstsein über sie können wir uns aber klar machen, dass dies uns ein indoktrinierter Mechanismus ist, wir aber viel mehr sind, als wir denken fähig zu sein.

Lasst uns daher wieder mehr SelbstVertrauen schenken und uns empowern durch lebensbejahende Projekte und Handlungen, die die Welt gerade mehr denn je braucht. Und ich bin mir bewusst, dass dieser Weg zurück zum freien, selbstbestimmten Handeln und frei sich bilden nicht einfach ist. Jedoch musst du diesen Weg auch nicht alleine gehen. Mir hilft es ungemein mich zu vernetzen, um dann gemeinsam im Team erst mal zu träumen, wie wir die Welt neu mitgestalten können und uns dann im nächsten Schritt gegenseitig eine Stütze sein können, wenn der Weg mal anstrengend wird oder sich innere Zweifel breit machen. Und vergesse nie: jede*r hat mal mit kleinen Schritten angefangen und unterstützt dich gerne diese zu gehen.

Von: Caro

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